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NUTZER-TYPOLOGIE: Wer generiert KI-Bilder und warum?

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NUTZER-TYPOLOGIE: Wer generiert KI-Bilder und warum?

Im April 2023 lehnte ich die Verleihung des Sony World Photography Awards ab, weil das Bild, mit dem ich mich beworben hatte, KI-generiert war. Meine Ablehnung des Preises war durch die Notwendigkeit motiviert, klarer zwischen Fotografie und KI-generierten Bildern (Promptografie) zu unterscheiden und eine Diskussion über die zukünftige Beziehung zwischen beiden anzustoßen. Dieser Aufsatz soll dazu beitragen, indem er die Unterschiede in Motivation und Arbeitsweise herausarbeitet und einen Blick auf die zukünftige Zusammenarbeit von Mensch und Maschine wirft.

 

DIE WELT DES FOTOGRAFEN

Fotografie ist Bildgestaltung mit Licht. Der Weg der meisten Fotograf*innen führt daher „hinaus in die Welt“. Viele Fotografen begründen dies mit der Neugierde auf Menschen, Kulturen und Orte. Ihr Erlebnishunger wird durch Empathie genährt. Fotograf*innen wollen die Zeit einfrieren, Brücken zu anderen Lebensweisen bauen, Probleme ins Bewusstsein rücken, Menschen eine Stimme geben, die „Conditio Humana“ zeigen. Das Bild entsteht durch einen Tanz mit der Welt, einen gemeinsamen Prozess mit dem, was sich vor der Linse befindet. Wenn man mit Menschen arbeitet, sind Respekt, Vertrauen und Empathie der Schlüssel zu starken Bildern. Soziale Kompetenz zahlt sich aus, bei einem guten Porträt geht es darum, zu finden und gefunden zu werden.

 

PROMPTOGRAFIE & DIE WELT

Braucht die Promptografie den "Weg hinaus in die Welt"? Nein. Aber Promptograf*innen müssen einmal in der Welt gewesen sein, um Erfahrungen und Kenntnisse zu sammeln - denn das ist das Material, mit dem ich arbeite. Beim Prompten geht die Reise also idealerweise nach innen. Ich muss mich fragen: Was will ich erzeugen? Und warum? Ich kann ganz aus meiner Fantasie schöpfen. Aber was ergibt sich daraus? Auf welche Erfahrungen kann ich bauen?
Viele Menschen machen sich jedoch nicht auf diese mögliche Reise nach innen.
Ein genauerer Blick auf die Kategorien von Nutzern erklärt, warum.

 

Die “Otto Normalverbraucher*innen”

Die meisten Nutzer begrüßen KI als Abkürzung zu einem Bildergebnis, das sie zuvor mit ihren eigenen Fähigkeiten nicht erreichen konnten. Es fehlte ihnen an Zeit, Talent, Ausbildung oder Geduld. Die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der sie nun Bilder produzieren können, die ihre bisherigen Fähigkeiten übersteigern, begeistert sie. Es geht ihnen nicht darum, den "Zustand des Menschen" darzustellen oder die Zeit einzufrieren. Wichtiger ist es, ein cooles Bild zu schaffen, das von der eigenen Community beklatscht wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob der oder die Nutzer*in bei der Erstellung des Bildes federführend war oder von der KI mitgezogen wurde. Was zählt, ist das Ergebnis. Und das Ergebnis offenbart oft die unbewussten Klischees die diesen Menschn umtreibt. Hier finden wir viele Mashups wie z.B. Batman - als Barbie verkleidet.

 

Die "Prompt Engineers"

Hauptberufliche Bildgestalter nutzen die neue Technologie, um Zeit und Geld zu sparen. Sie wollen wettbewerbsfähig und auf dem neuesten Stand der Technik bleiben. Prompt-Ingenieure sind Expert*innen in einer bestimmten Bildkategorie und wollen eine bestimmte Aufgabe mit KI lösen. Sie kennen die Schlüsselwörter und Arbeitsabläufe einer Branche und haben darin bereits Erfahrungen gesammelt. Um KI-Bildgeneratoren als professionelles Werkzeug zu nutzen, muss ich mit der Absicht, eine Aufgabe zu lösen, in den Prozess einsteigen. Die ersten generierten Bilder sind nur der Anfang, der Ausgangspunkt für ein kontinuierliches Finetuning der Bildgenerierung, bei dem Zwischenergebnisse kritisch betrachtet, verworfen und neu generiert, der Workflow angepasst und Plattformen neu gemischt werden. Um den generierten Output zu bewerten und daraus Korrekturen abzuleiten, brauche ich Erfahrung in der Gestaltung und Bearbeitung von Bildern. Prompt Engineers geben nicht einfach nur Befehle, sie geben informierte Anweisungen, die auf Wissen und Erfahrung in seinem Berufsfeld beruhen.

 

Die "Prompt Whisperer"

Als Künstler sehe ich die Technologie als Befreiung der individuellen Vorstellungskraft von materiellen Zwängen. Da bei der Produktion keine Kompromisse mehr eingegangen werden müssen und das Thema, die Handlung, der Ort, die Beleuchtung, die Ausrüstung usw. frei gewählt werden können, kann der Künstler zum ersten Mal seine Vision unabhängig von materiellen Zwängen zum Ausdruck bringen. Das Versprechen, mit einem neuen Werkzeug neue Bildsprachen schaffen zu können, die eine nie dagewesene Ästhetik aus den Bildsprachen der Vergangenheit synthetisieren, ist für verlockend.
Anders als beim Prompt Engineering geht es nicht darum, ein Produkt zu schaffen oder ein Zielpublikum zu bedienen. Wie viele Fotograf*innen sind auch die Prompt-Flüster*innen daran interessiert, die "Conditio Humana" auszudrücken. Da die KI-Trainingsdaten als Spiegel der Menschheit angesehen werden können, oder als das, was C. G. Jung das "kollektive Unbewusste" nannte, besteht die Aufgabe beim Prompt-Flüstern darin, die eigene Subjektivität mit dem Kollektiven Unbewussten zu synchronisieren. Und dadurch Dirigent*in des anonymen Chors zu werden, der aus den Trainingsdaten der KI besteht.
Um ein Prompt Whisperer zu werden, braucht man die Fähigkeiten eines Prompt Engineers, einen künstlerischen Verstand - und ein tieferes Bewusstsein für die eigene Persönlichkeit. Wenn man hier versagt, zeigt das Werk die unbewussten Klischees der Menschheit. Wenn Sie nicht in der Lage sind, die Trainingsdaten zu optimieren und zu dirigieren, werden die Trainingsdaten die Führung übernehmen und einen statistischen Durchschnitt produzieren.