Besonders prägende Erlebnisse als Schiedsrichter
Urs Meier: Schiedsrichter-Legende mit internationaler Erfahrung
Urs Meier leitete in 27 Jahren 883 Spiele, war seit 1994 FIFA-Referee und erwarb sich in über 40 UEFA Champions League- und zahlreichen UEFA Europa League-Einsätzen den Respekt der Spieler und Fans. Zwischen 1998 und 2002 pfiff er wichtige Welt- und Europameisterschaftsspiele, darunter den WM-Halbfinal Deutschland vs. Südkorea 2002. Im selben Jahr folgte das UEFA Champions League-Finale Real Madrid gegen Bayer Leverkusen, und Meier wurde zum zweitbesten Schiedsrichter der Welt gewählt.
Frage:
Herr Meier, als Schiedsrichter haben Sie schon die eine oder andere schwere Entscheidung und Ihre Konsequenzen durchlebt. Welche dieser Begebenheiten sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Antwort:
Da waren schon einige, die drei heftigsten waren sicher die Reaktionen nach den Spielen Croatia Zagreb – Newcastle United, Dänemark – Rumänien und Portugal – England. Bei all diesen Spielen hat sich auch noch die Politik eingemischt und mich als Sündenbock gestempelt – dies natürlich auch, um von den eigenen Problemen, Fehlern und Unzulänglichkeiten abzulenken. Dabei zog ich dann den Zorn des gesamten Volkes auf mich. Im Falle von Rumänien haben sich mehr als 5000 Menschen vor der Schweizer Botschaft versammelt, um gegen mich zu protestieren. Zusätzlich haben sich sieben rumänische Hexen zusammengetan, um mich zu verwünschen.
Nach dem Viertelfinalspiel an der EURO 2004 in Lissabon zwischen Portugal und England war ich danach vier Tage lang auf der Frontseite der SUN.
Bei all diesen Fällen habe ich keine Unterstützung der Verbände gespürt, das heißt, die Menschen und Organisationen, welche mich eigentlich schützen mussten, sind untergetaucht. Dies sind bittere Momente, die einem aber auch aufzeigen, welche Menschen im Notfall da sind – und welche eben nicht.
Das Gefühl, Millionen gegen sich zu haben
Frage:
Wie fühlt es sich an zu wissen, vom einen auf den anderen Moment zehntausende Menschen im Stadion und Millionen vor dem Fernseher gegen sich aufbringen zu können?
Antwort:
In solchen Momenten hoffst du einfach, dass dein Entscheid, deine Entscheidungen richtig gewesen sind und sich das Ganze nach Abpfiff wieder beruhigt.
Balance zwischen Schiedsrichterkarriere und Unternehmertum
Frage:
Neben Ihrer aktiven Schiedsrichterkarriere haben Sie außerdem eine eigene Firma geleitet. Haben Sie es geschafft, beides unter einen Hut zu bringen?
Antwort:
Wenn man Erfolg hat und im „Flow“ ist, geht sowieso alles von alleine. Dann hatte ich natürlich auch sehr gute Mitarbeiter, die mit viel Können und Einsatzwillen mich vertreten haben. Was trotzdem auf der Strecke geblieben ist, war die Familie – das heißt, ich habe mich dann von meiner ersten Frau getrennt.
Entscheidungsfindung unter Druck
Frage:
Worauf kommt es in Situationen an, die eine schnelle Entscheidung erfordern?
Antwort:
Dass man bereit ist für den Entscheid, das heißt, dass man antizipieren und vorausschauen kann – so wie im Autoverkehr. Man muss natürlich auch die Regeln und Weisungen kennen und möglichst viel Erfahrung mitbringen, das heißt eben auch, einmal auf den „Bauch“ hören und ihm vertrauen. Gerade in komplexen Situationen ist der Verstand oft nicht in der Lage, schnelle und richtige Entscheidungen zu treffen.
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