Was mache ich mit den Händen? – Körpersprache auf der Bühne richtig einsetzen
Wenn wir uns die typischen Probleme in einem Rhetorikkurs, einem Präsentationstraining oder einem Coaching für Bühnenauftritte ansehen, taucht eine Frage immer wieder auf:
Was mache ich eigentlich mit meinen Händen?
Eine Sache, die im Alltag völlig selbstverständlich funktioniert, wirkt plötzlich auf der Bühne, in einer Präsentation oder bei einer Keynote erstaunlich kompliziert.
Wie halte ich meine Hände richtig?
Welche Gesten passen zu dem, was ich sage?
Und wie wirkt meine Körpersprache dabei möglichst natürlich?
Warum Gesten auf der Bühne oft künstlich wirken
Viele Menschen versuchen, einzelne Wörter mit Gesten zu illustrieren.
Zum Beispiel:
- Bei dem Wort „mich“ auf sich selbst zeigen
- Bei „Regen“ mit den Fingern klimpern
- Bei „Geld“ Daumen und Zeigefinger reiben
Das Problem: Diese Art der Wort-Gestik wirkt schnell gekünstelt, manchmal sogar albern.
Der Grund ist einfach: Unsere natürliche Körpersprache illustriert keine einzelnen Wörter, sondern immer Gedanken.
Natürliche Körpersprache illustriert Gedanken – nicht Wörter
Ein Beispiel:
Der Gedanke lautet:
„Das Schwierige beim Telefonieren ist, dass Sie sich nicht in die Augen sehen können.“
Dieser Gedanke braucht nicht drei einzelne Gesten:
- Bei „schwierig“ mit der Hand wedeln
- Bei „telefonieren“ eine Hand ans Ohr halten
- Bei „Augen“ auf die Augen zeigen
Das wäre nicht natürlich, sondern eher übertrieben.
Der Gedanke ist eine Einheit – deshalb sollte auch die Körpersprache diesen Gedanken als Ganzes unterstützen.
Wie Gesten Emotion und Bedeutung unterstützen
Ein Satz wie:
„Ich lege Ihnen mein Herz zu Füßen.“
sollte nicht wortwörtlich illustriert werden:
- „Ich“ → auf sich zeigen
- „Herz“ → ans Herz greifen
- „Füßen“ → auf den Boden zeigen
Viel wirkungsvoller ist es, die Stimmung des Gedankens zu unterstützen.
Beispiele:
- Wenn der Satz demütig gemeint ist → leicht in die Knie gehen
- Wenn er eindringlich gemeint ist → Hände ringen
- Wenn er emotional gemeint ist → offene, zugewandte Gesten
Die Gestik unterstützt also die Emotion – nicht die einzelnen Wörter.
Die richtige Reihenfolge: Gedanke – Bewegung – Sprache
Viele unnatürliche Gesten entstehen durch die falsche Reihenfolge.
In der natürlichen Kommunikation passiert Folgendes:
- Gedanke entsteht
- Bewegung folgt
- Worte werden gesprochen
Zum Beispiel:
Gedanke → Hand an die Stirn → „Jetzt habe ich es!“
Auf der Bühne machen viele Sprecher es genau umgekehrt:
„Jetzt fällt es mir ein!“ → Hand an die Stirn.
Diese falsche Reihenfolge wirkt schnell gespielt oder theatralisch.
Bühnen Hacks - Warum man seine Hände nicht kontrollieren sollte
Viele Menschen versuchen, ihre Handbewegungen bewusst zu steuern.
Das führt fast immer zu einem Gefühl von Unsicherheit.
Probieren Sie es einmal aus:
- Nehmen Sie eine lockere Handhaltung ein
- „Frieren“ Sie diese Position bewusst ein
- Konzentrieren Sie sich nur auf Ihre Hände
Wie fühlt sich das an?
Meistens seltsam oder unnatürlich.
Der Grund: Sobald wir Körpersprache bewusst kontrollieren, verliert sie ihre Natürlichkeit.
Der größte Fehler bei Bühnen-Gestik
Ein weit verbreiteter Tipp lautet:
„Halten Sie Ihre Hände im neutralen Bereich um die Gürtellinie.“
Dieser Rat ist jedoch Unsinn.
Menschen, die versuchen, ihre Hände ständig auf Gürtelhöhe zu halten, wirken oft steif oder sogar komisch.
Natürliche Gestik entsteht durch Gedanken, Emotionen und Engagement – nicht durch starre Regeln.
Der beste Tipp für natürliche Körpersprache
Mein Rat lautet deshalb:
Lassen Sie Ihre Hände einfach machen, was sie machen.
Wenn Sie während Ihrer Begrüßung oder Ihrer Präsentation Zeit haben, darüber nachzudenken, was Ihre Hände gerade tun, dann ist Ihre Präsentation wahrscheinlich zu einfach aufgebaut.
Sie sind auf der Bühne ein Gesamtkunstwerk aus:
- Stimme
- Inhalt
- Körpersprache
- Präsenz
- Emotion
Und wenn Ihre Hände dabei ab und zu etwas Ungewöhnliches machen – dann ist das völlig in Ordnung.
Gute Rhetorik beginnt mit Vorbereitung
Jemanden gut zu unterhalten, zu überzeugen oder zu inspirieren ist vor allem eine Frage der Vorbereitung.
Wenn Gedanken klar, Botschaften strukturiert und Emotionen authentisch sind, folgt die Körpersprache ganz automatisch.
Mehr dazu in meinem Buch:
„Rhetorik ist keine Kunst, sondern kein Problem.“
Michael Rossié, CSP, gehört zu den führenden Experten für Rhetorik, Körpersprache und wirkungsvolle Kommunikation. In seinen Vorträgen und Trainings zeigt er, wie Menschen souverän auftreten, klar kommunizieren und ihr Publikum wirklich erreichen. Weitere Informationen zu ihm finden Sie auf seinem Profil.