Die neue Regierung steht. Familienministerin Bärbel Bas stellt im Mai 2025 die Forderung: „Mehr Mütter in Vollzeit!“ Denn der deutschen Wirtschaft fehlen Fachkräfte und viele Mütter sitzen unfreiwillig in der Teilzeitfalle. Die Regierung plant vor allem zwei Maßnahmen, um die Erwerbsbeteiligung von Müttern zu erhöhen: den Ausbau von Kinderbetreuung sowie die steuerliche Förderung von Arbeitgebern, die den Wechsel in Vollzeit unterstützen (Quelle: stern 18.5.2025 „Ministerin Bas will mehr Mütter in Vollzeit - Forderung an Arbeitgeber“).
Ich bin Expertin für Vereinbarkeit und selbst Mama von drei Kindern. Ich liebe meine Kinder und liebe meinen Job. Als ehemalige HR-Managerin kenne ich die Herausforderungen der Unternehmen. Ich kenne aber auch die Herausforderungen und vor allem die Schmerzpunkte berufstätiger Mütter, die nur selten jemand wirklich sieht. Wenn Arbeitgeber zukunftsfähig werden wollen, dann braucht es mehr als Steuervergünstigungen und Kita-Plätze.
Wenn Vereinbarkeit gelingen und damit der Fachkräftemangel gesenkt werden soll, dann müssen ALLE Verantwortung übernehmen:
1. Politik
Absolut wichtig und richtig: Es braucht Investitionen in Strukturen wie Kinderbetreuung und steuerliche Vorteile für Arbeitgeber, die Vereinbarkeit aktiv unterstützen. Essenziell ist dabei auch die Erhöhung der gesellschaftlichen Wertschätzung von Erziehungspersonal. Denn Erzieher*innen haben eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft: Sie prägen neben den Eltern die Menschen der Zukunft!
2. Arbeitgeber
Vereinbarkeit muss wesentlicher Bestandteil der Unternehmens- und Führungskultur sein. Führungskräfte sind das Bindeglied zwischen Unternehmensinteressen und den Bedürfnissen der Mitarbeiter*innen. Sie sollten gezielt daran arbeiten, einen stabilen Kontakt zur (werdenden) Mutter aufzubauen, damit diese dem Unternehmen erhalten bleibt. Dieser Kontakt ist vor allem während der Elternzeit unabkömmlich. Denn etwa ein Drittel kehrt erst gar nicht aus der Elternzeit zurück, wenn es keine familienfreundlichen Maßnahmen im Unternehmen gibt (2019 Prof. Grunow, Universität Frankfurt). Kurzum: Vereinbarkeit ist immer Chefsache!
3. Mütter
In der Diskussion um Familienfreundlichkeit wird die menschliche Komponente oft vernachlässigt. Es reicht nicht, nur Kita-Plätze und familienfreundliche Maßnahmen zu bieten, wenn nicht individuell und gemeinschaftlich auf die Bedürfnisse berufstätiger Mütter eingegangen wird. Mutterwerden ist eine der intensivsten Identitätsentwicklungen! Es braucht einen „sicheren Raum“ im Unternehmen, in dem Mütter offen über ihre aktuellen Herausforderungen sprechen können. Es braucht Vertrauen, Miteinander und Kontakt auf Augenhöhe. Nur so können Arbeitgeber adäquat reagieren und gemeinsam mit der Mitarbeiterin Lösungen für eine langfristige Zusammenarbeit entwickeln.
Fazit
Wenn Vereinbarkeit gelingen soll, müssen die Komponenten „Mensch“ – Mütter und Kinder – individuell betrachtet werden und ALLE müssen Verantwortung übernehmen: Politik, vor allem aber Arbeitgeber – in persona Führungskräfte – und die Mütter selbst.