Die Wissenschaft des Vertrauens
2012 stellte ein italienisches Forscherteam von der Universität Florenz in einer Studie fest, dass unser Gehirn mit einer speziellen Art von „Werkzeugkoffer" für das Erfassen von Vertrauenswürdigkeit ausgestattet ist. Im Laufe der menschlichen Evolution war das immer sehr wertvoll, um Freund von Feind schneller unterscheiden zu können.
Es ist nachvollziehbar, dass diese Fähigkeit Risiken minimiert – aber man muss auch sagen, dass dieses Verhalten uns gleichzeitig gewisse Chancen im Leben unzugänglich macht.
Vom Marketing lernen
Marketingexperten haben dies schon länger erkannt. Noch vor einigen Jahren war es im Marketing relevant, Kunden nach ihrem Verhalten zu klassifizieren. Das führte dazu, dass unterschiedlichen Kunden unterschiedliche Angebote mit unterschiedlichen Preisen oder Beratungsintensitäten gemacht wurden. Heute weiß man, dass der Porschefahrer auch bei Aldi einkauft. Das heißt, wir Menschen reagieren nicht nach einem festen Muster, sondern entscheiden uns in einem Lebensbereich dafür, mehr Geld auszugeben, während wir in einem anderen bewusst preisbewusst handeln.
Was bedeutet das für Dich?
Beim Thema Netzwerken, beim Aufbau von Beziehungen zu neuen, unbekannten Menschen – sei es beruflich oder privat – solltest Du Dich nicht nur auf Deine bisherigen Erfahrungen und „Schubladen" verlassen. Sei offen für Neues! Diese Offenheit führt zu Kreativität, erweitert Deinen Horizont und bringt Dich mit spannenden Menschen in Kontakt, die Du sonst nicht getroffen hättest.
Ein Erlebnis aus der Praxis
Ein besonders einprägsames Erlebnis hatte ich einmal in einem mehrtägigen Seminar. Wir saßen zusammen und spielten ein Spiel. Keiner von uns kannte sich. Die Aufgabe war, einzuschätzen, welches Auto jeder Teilnehmer fährt – und die Entscheidung zu begründen. Hier wurden Vorurteile, eigene Erfahrungen und Klischees besonders deutlich. In 80 % der Fälle lagen die Einschätzungen daneben.
Diese Einstellung – bewusst oder unbewusst – „Ich weiß alles über dich und dein Thema" verhindert Beziehungschancen. Deshalb: Sei offen und vorurteilsfrei!
Stay hungry, stay foolish
Dies rief Steve Jobs 2005 in seiner legendären Rede den Stanford-Absolventen zu. „Seid hungrig, seid töricht"
Auf Dein Netzwerkverhalten übertragen bedeutet das: Sei beziehungshungrig und neugierig. Sei tollkühn und mutig. Lass Dich nicht von Deinen vermeintlichen Erfahrungen und Vorurteilen blockieren, großartige Beziehungen aufzubauen und neue Menschen kennenzulernen. Lass Dich überraschen!
Netzwerke aktiv – es lohnt sich!
Uwe Steinweh, Coach. Speaker. Netzwerker
Autor des Standardwerkes für erfolgreiches B2B-Networking: NETZWERKEN – Der Erfolgsfaktor für mehr Geschäft: Wie Sie mit aktivem Networking Top-Kontakte aufbauen und Ihr Business strategisch voranbringen