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Ist ehrliches Feedback bei Führungskräften unerwünscht?

Es fällt vielen schwer, Führungskräften kritisches Feedback zu geben. Doch es ist wichtig, um voneinander zu lernen und besser zu werden. Führungskräfte sollten aktiv ehrliche Kritik einfordern, um eine offene Feedback-Kultur zu schaffen und falsche Harmonie zu vermeiden.

Ist ehrliches Feedback bei Führungskräften unerwünscht?

Kritisieren Sie Ihre Führungskraft? Nein, ich meine nicht das informelle Lästern mit Kolleginnen und Kollegen in der Kaffeeküche oder Kantine. Ich meine direkte, ehrliche Kritik, nicht per mail, sondern von Angesicht zu Angesicht. Meiner Erfahrung nach fällt es vielen Menschen schwer, kritisches Feedback zu geben. Gegenüber den Kolleginnen und Kollegen im Team – aber ganz besonders gegenüber Führungskräften. Klar, dafür gibt es Gründe. Es gibt leider immer wieder Chefs, die kein kritisches Feedback vertragen. Das sind Menschen, die einen geringen Selbstwert haben und deshalb vor allem gefällige Jasager fördern. Menschen, die ihnen ähnlich sind und im besten Fall nach dem Mund reden. Bei solchen Vorgesetzten geraten Mitarbeitende, die Kritik äußern, schnell in die Schusslinie.

Einsame Führungskräfte

Doch zum Glück sind diese Führungskräfte nach meiner Wahrnehmung die Ausnahme. Die meisten Führungskräfte, mit denen ich zu tun habe, leiden darunter, dass sie viel zu selten kritisches Feedback bekommen. Neulich sagte mir eine Coaching-Kundin, die Geschäftsführerin ist: „Ich fühle mich oft sehr einsam. Ich spreche zwar den ganzen Tag mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Aber eine ehrliche Rückmeldung kommt ganz selten. Und wenn, dann kommt meistens Positives. Kritik muss ich offensiv einfordern – und auch dann kommen meist nur diplomatische Floskeln.“

Gefälligkeitskutur hilft nicht weiter

Damit ist die Dame nicht allein. Sie ist, wie viele andere Führungskräfte auch, Opfer einer Gefälligkeitskultur, die sehr weit verbreitet ist. Der Grund: die meisten Menschen wollen ein konfliktfreies, harmonisches Arbeitsumfeld. Sie scheuen Streit und Reibung. Deshalb macht es Sinn, dass sie gerade gegenüber ihren Chefs keine unangenehmen Botschaften senden. So vermeiden sie Reibung und vielleicht auch unangenehme Gegenreaktionen. Aber dieses Nichts-Sagen hat einen hohen Preis. Wenn ehrliches, kritisches Feedback nicht passiert – dann geht viel verloren. Vor allem die Chance, miteinander zu lernen und besser zu werden. Und es staut sich viel an. Denn das Ungesagte ist ja trotzdem da: als angestauter Frust, oder gar Wut oder als negatives Urteil. Und das spüren Menschen, auch wenn man ihnen nichts Kritisches sagt.

Was tun bei falscher Harmonie?

Um so wichtiger, dass Führungskräfte aktiv gegensteuern. Die besten Möglichkeiten: In Meetings vom ersten Tag an kritisches und positives Feedback zeitnah einfordern – und zwar häufig und ernst gemeint. Diese offizielle Einladung zu ehrlicher Kritik sendet die Botschaft: hier ist Raum für Kritik. Nachfragen, wenn das Gefühl da ist, dass zu viel ungesagt bleibt. So merken Mitarbeitende: „Selbst, wenn ich nichts sage, ist meine Kritik spürbar. Es ist für alle eine Erleichterung, wenn wir über dieses Ungesagte sprechen.“ Selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Es wirkt oft Wunder, wenn Chefs ihre Chefs ehrlich kritisieren. Sei es in einem Meeting oder einer Betriebsversammlung. Wer hier frank und frei – aber respektvoll – Kritik äußert, sendet die Botschaft: ich mache das, was ich mir von Euch wünsche. Her mit Eurer Kritik!

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