Geht es dir auch so? – Warum wir das Tal der Tränen vermeiden und was das für Veränderungsprozesse bedeutet
Mein Kollege hat herzlich gelacht – und mir ist immer noch nicht ganz klar, ob aus verzweifelter Zustimmung oder weil es die aktuelle Unternehmensrealität so treffend beschreibt.
Gerade in der Organisationsentwicklung und im Change Management sprechen wir ständig davon, dass man durch das Tal der Tränen gehen muss. Und doch beobachte ich etwas ganz anderes: Zurückhaltung, Unsicherheit und sogar Vermeidungsstrategien, wenn es darum geht, Menschen wirklich durch diesen emotional herausfordernden Prozess zu begleiten.
Und das ausgerechnet bei denen, die in Zeiten von Unsicherheit, Transformation und Komplexität vorangehen sollten: Führungskräfte, Manager, Projektleitende – und manchmal sogar Veränderungsexperten selbst.
Veränderung akzeptieren – warum Emotionen, Vergangenheit und Loslassen so wichtig sind
Erkennst du dich oder dein Unternehmen darin wieder? Kein Problem. Erstmal gilt: Es ist, wie es ist. Ruhe bewahren.
Doch eines ist sicher: Wenn wir das Thema weiter verdrängen, holt es uns ein – vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen. Aber in 2026 oder spätestens 2027. Denn Menschen wollen wachsen, und genau daraus entsteht Handlungsbedarf.
Viele glauben, Gefühlssharing sei automatisch der richtige Weg. Doch das ist aus meiner Sicht nicht immer das passende Mittel – insbesondere nicht in distanzbasierten Führungsbeziehungen.
Warum ohne Abschluss mit der Vergangenheit keine positive Zukunft entsteht
Die gute Nachricht: Die anstehende Entwicklung ist eigentlich positiv – wenn wir einen Aspekt nicht übersehen.
Wer eine positive, erfolgreiche Zukunft gestalten will, muss zunächst die Vergangenheit wirklich abschließen – auch emotional.
Organisationen können nur dann erfolgreich wachsen, wenn sie die emotionalen Altlasten, negativen Erlebnisse und die darin gebundene Energie loslassen. Solange diese Energie festhängt, blockiert sie Veränderung, erzeugt Widerstand und bindet Menschen emotional an die Vergangenheit.
Doch was wäre, wenn wir genau diese gebundene Energie freisetzen und für eine kreative, produktive Zukunftsgestaltung nutzen könnten?
Energiemanagement statt Esoterik – warum Wut und Freude denselben Energielevel haben
Um Energie freizusetzen, müssen wir uns Frust, Wut und Enttäuschung ehrlich anschauen – nicht, damit sie bleiben, sondern damit sie gehen können.
Das ist keine Esoterik, sondern schlicht Energiemanagement: Wut und Freude liegen energetisch auf demselben Level.
Wir reden so oft von Joy, von Leichtigkeit, von positiver Unternehmenskultur – vergessen aber, dass dazu auch Anger gehört. Emotionen funktionieren nur ganz oder gar nicht.
Schau dir Kinder an, bevor wir ihnen gesellschaftliche Normen beibringen: Volle Freude. Volle Trauer. Keine Halbheit.
Zur Erinnerung: Auch du warst einmal so.
Führung braucht emotionale Kompetenz – auch wenn wir es nie gelernt haben
Vielleicht hörst du innerlich gerade Sätze wie:
„Ich habe das nie gelernt.“
„Wie soll das funktionieren?“
Stimmt. Die meisten haben es nicht gelernt. Und dennoch ist der Weg am Ende erstaunlich klar – auch wenn er nicht immer einfach ist.
So startest du: Selbstreflexion, Klarheit und ehrliche Bestandsaufnahme
Starte bei dir. Nutze diese emotional aufgeladene Zeit im Jahr und frage dich:
- Wo stehe ich?
- Was verstecke ich?
- Wo reagiere ich wütend?
- Welches Fluchtmuster nutze ich? (Kampf, Flucht, Schockstarre)
Schreibe es auf. Nur für dich.
Manche tauschen sich anschließend im Gefühlssharing aus, andere möchten das nicht. Beides ist okay. Doch eines verbindet uns alle:
Menschen wollen gesehen, anerkannt und als Mensch respektiert werden – nicht nur für Leistung oder Erfolge. Erst dann entsteht Raum für Entfaltung, Kreativität, Wachstum und Erfolg.
Alles das, was Unternehmen sich so sehr wünschen – beginnt auf der emotionalen Ebene.
Anne Hoffmann verbindet langjährige internationale Führungserfahrung mit einem leidenschaftlichen Fokus auf agile Arbeitsweisen und moderne Führung, und sie hilft Menschen und Organisationen, nachhaltige Veränderungen mit Neugier und Klarheit zu gestalten.