WISSENSFORUM: Erfolgs- und Motivationstrainer Andreas Herz über das „geistige Immunsystem“
Neues Unternehmen, neuer Firmensitz, neues Eigenheim und 3 kleine Kinder: Mit 38 Jahren wollte der Steirer Andreas Herz so richtig durchstarten im Leben. Doch genau dann schlug das Schicksal mit voller Härte zu: Diagnose Krebs. Am kommenden 14. September ist Andreas Herz beim Wissensforum in Bozen zu Gast. Sein Thema: Resilienz 4.0 – Widerstandskraft in der Digitalen Welt. Maria Cristina De Paoli: Herr Herz, Sie werden in Bozen über Resilienz als Treibstoff erfolgreicher Menschen sprechen.Was bedeutet Resilienz überhaupt?
Andreas Herz: Der Begriff Resilienzkommt ursprünglich aus derWissenschaft. Resilienz ist zumBeispiel die Fähigkeit eines Materials,nach einer Verformungwieder in den Ausgangszustandzurückzukehren. In der Psychologiesteht dasWort hingegen fürpsychischeWiderstandskraft, füreine Art geistiges Immunsystem,das uns schützt und stärkt.
Maria Cristina De Paoli: 2005 erhielten Sie die Diagnose: Krebs im fortgeschrittenenStadium.Was war Ihreerste Reaktion?
Herz: Mein erster Gedanke war:Sterbe ich jetzt? Am Anfang hat mir die Diagnose den Bodenkomplett unter den Füßen weggezogen.Ich fühlte mich wie inWatte eingepackt. Es hat Tage gegeben,an denen ich nicht mehrlebenwollte, weil die Schmerzenschon so intensiv und die Chemosso belastend waren. Dochviel wichtiger war es, dass ich andiesen Tiefen nicht hängen geblieben bin und dass ich entschiedenhabe, die Krankheit alsHerausforderung zu sehen und sie auch als solche anzugehen.
Maria Cristina De Paoli: Wann haben Sie verstanden,dass Sie neben derSchulmedizin auch selbst einen Part an Ihrer Heilung beitragenmussten?
Herz: Ich habe relativ schnell gewusst, dass ich parallel zu den Operationen, der Chemo und Strahlentherapie meine Krankheit undmein Leben auch selbst in die Hand nehmen musste. Da gab es eine innere Stimme, diemich zum Aufstehen, zur Bewegungund zur Reaktion zwang. Außerdem wollte ich einen Wegfinden, um selbst in schlechtenTagen auf die Kraft der gutenMomente zurückgreifen zu können.Ich habe mir im Haus einenRückzugsraum eingerichtet. Ich habe begonnen zu meditieren.Ich habe den Buddhismus fürmich entdeckt. Die behandelndenÄrzte haben mich dabei immer unterstützt.
Maria Cristina De Paoli:In den 10 Jahren Ihrer Krankheit haben Sie erfahren,was es bedeutet, immer wiederhinzufallen und wieder aufzustehen.Kann man eine solche Stärke auch ohne einen harten Schicksalsschlag entwickeln?
Herz: Selbstverständlich kannman Stärke auch ohne Schicksalsschlagentwickeln, das ist sogardie bessere Variante. Dennman sollte nicht warten, bis unsirgendein Ereignis wach rütteltund um Handeln zwingt. Es istviel sinnvoller, an den täglichenDingen im Leben zu wachsen.
Maria Cristina De Paoli: Sie haben zunächst für sich selbst und jetzt für IhreKunden ein Trainingskonzeptentwickelt, um im Leben das zuertragen, was notwendig ist, wieSie es formulieren.Worauf basiert Ihre Strategie?
Herz: Mein Lieblingsspruch lautet: War dir der Tag kein Freund, dann war er dir Lehrer. Wir sollten lernen, selbst negative Ereignisse bewusst wahrzunehmen und darüber zu reflektieren, mitwelcher inneren Haltung wirdiese Herausforderung am bestenmeistern können. Und geradedarauf konzentriert sich meinTrainingskonzept. Hier werdendie kleinen Dinge im Alltag herangezogen.Daran, und nicht angroßen, oft unrealistischen Vorsätzenkönnen wir uns am bestenweiterentwickeln. Ich habedas selbst so erlebt.
Maria Cristina De Paoli: Gibt es Tages- und Lebenssituationen, an denen man Gelassenheit besonders gutüben kann?
Herz: Dazu gibt es sogar ganzklassische Situationen wie etwaein Kilometer langer Stau auf der Autobahn, die Schlange amBankschalter, das Warten an derKasse im Supermarkt. In solchenFällen kann man sich über denZeitverlust und die Langeweileärgern, oder man kann sie nützen,um bewusst den innerenGeist so zu trainieren, dass er gelassenbleibt – und zwar unabhängigvon den äußeren Einflüssen.
Maria Cristina De Paoli: Kann, Ihrer Erfahrungnach, wirklich jeder ein glücklichesLeben führen?
Herz: Selbstverständlich müssendie Grundbedürfnisse gestillt sein und diese sind je nach Herkunftslandverschieden. Aberwenn der Rahmen passt, dannhat jeder Mensch die Chance,ein glückliches Leben zu führen.Es braucht nur die mentale Haltungdazu. Leider fokussierenwir uns viel zu oft auf das, waswir nicht besitzen, als auf das,was wir haben. Für einen Krebspatientenist es oft schon einkleines Wunder, einen Kaffeetrinken zu können. Daraufkommt es an. (mc)
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